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Fachkräftemangel

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Fachkräftemangel

Kurzbeschreibung

Der Fachkräftemangel bezeichnet die Situation, in der Unternehmen offene Stellen für qualifizierte Fachkräfte dauerhaft nicht oder nur schwer besetzen können. Ursache ist nicht nur ein Mangel an Arbeitskräften, sondern insbesondere ein Mangel an Personen mit den erforderlichen Qualifikationen, Kenntnissen und Berufserfahrungen.

Der Fachkräftemangel zählt zu den größten Herausforderungen für Wirtschaft, öffentliche Verwaltung und Gesellschaft. Er wirkt sich auf Arbeitsbedingungen, Arbeitsbelastung, Digitalisierung, Qualifizierung und Mitbestimmung aus und spielt daher auch für Betriebsräte und Vertrauensleute eine wichtige Rolle.


Gesetzliche Grundlagen

Der Fachkräftemangel selbst ist nicht gesetzlich geregelt. Wichtige Bezüge bestehen jedoch zu:

  • BetrVG
  • ArbSchG
  • BBiG
  • TzBfG
  • SGB III
  • Fachkräfteeinwanderungsgesetz
  • §92 BetrVG – Personalplanung
  • §96 BetrVG – Förderung der Berufsbildung
  • §97 BetrVG – Berufsbildung
  • §98 BetrVG – Durchführung betrieblicher Bildungsmaßnahmen

Ziel einer wirksamen Fachkräftesicherung

Unternehmen und Interessenvertretungen verfolgen das Ziel,

  • ausreichend Fachkräfte zu gewinnen,
  • Beschäftigte langfristig zu halten,
  • Qualifikationen auszubauen,
  • Wissen zu sichern,
  • attraktive Arbeitsbedingungen zu schaffen,
  • die Wettbewerbsfähigkeit zu erhalten.

Bedeutung des Fachkräftemangels

Der Fachkräftemangel beantwortet die Fragen:

«Warum finden Unternehmen keine geeigneten Beschäftigten?»

«Welche Folgen hat dies für den Betrieb?»

«Welche Maßnahmen können Arbeitgeber und Betriebsrat ergreifen?»

Er betrifft nahezu alle Branchen und wird durch den demografischen Wandel weiter verstärkt.


Grundprinzip

Demografischer Wandel

⬇️

Weniger Fachkräfte

⬇️

Offene Stellen

⬇️

Höhere Arbeitsbelastung

⬇️

Personalmaßnahmen

⬇️

Qualifizierung und Personalgewinnung


Ursachen des Fachkräftemangels

Häufige Ursachen sind:

  • demografischer Wandel
  • geburtenschwache Jahrgänge
  • steigender Renteneintritt
  • fehlende Ausbildung
  • Digitalisierung
  • neue Qualifikationsanforderungen
  • Abwanderung von Fachkräften
  • unattraktive Arbeitsbedingungen
  • geringe Weiterbildung
  • regionale Unterschiede

Folgen für Unternehmen

Der Fachkräftemangel kann führen zu:

  • unbesetzten Stellen
  • Produktionsausfällen
  • längeren Lieferzeiten
  • steigenden Personalkosten
  • höherer Arbeitsbelastung
  • Überstunden
  • sinkender Innovationsfähigkeit
  • Wettbewerbsnachteilen

Folgen für Beschäftigte

Beschäftigte erleben häufig:

  • höhere Arbeitsverdichtung
  • mehr Überstunden
  • steigenden Leistungsdruck
  • psychische Belastungen
  • häufigere Vertretungen
  • geringere Erholungszeiten
  • mehr Verantwortung

Fachkräftesicherung

Typische Maßnahmen sind:

  • Ausbildung stärken
  • Weiterbildung fördern
  • attraktive Arbeitsbedingungen schaffen
  • flexible Arbeitszeitmodelle
  • Gesundheitsmanagement
  • bessere Vereinbarkeit von Familie und Beruf
  • Mitarbeiterbindung
  • internationale Fachkräfte gewinnen
  • Digitalisierung sinnvoll einsetzen

Qualifizierung

Ein zentraler Baustein ist die kontinuierliche Weiterbildung.

Beispiele:

  • Fortbildungen
  • Umschulungen
  • digitale Lernangebote
  • Qualifizierungsprogramme
  • berufsbegleitende Weiterbildung
  • KI-Kompetenzen
  • Führungskräfteentwicklung

Digitalisierung

Digitalisierung kann den Fachkräftemangel teilweise abfedern.

Beispiele:

  • Automatisierung
  • Künstliche Intelligenz
  • digitale Assistenzsysteme
  • Robotik
  • digitale Dokumentation

Sie ersetzt Fachkräfte jedoch nur teilweise und erhöht zugleich den Bedarf an neuen Qualifikationen.


Arbeitgebermaßnahmen

Arbeitgeber können insbesondere:

  • Ausbildungsplätze schaffen
  • Personalentwicklung fördern
  • familienfreundliche Arbeitsbedingungen anbieten
  • mobiles Arbeiten ermöglichen
  • Gesundheitsangebote ausbauen
  • attraktive Vergütungssysteme entwickeln
  • Beschäftigte langfristig binden

Beteiligungsrechte des Betriebsrats

Der Betriebsrat sollte insbesondere beteiligt werden bei:

  • Personalplanung (§92 BetrVG)
  • Berufsbildung (§96–98 BetrVG)
  • Arbeitszeitregelungen
  • Gesundheitsschutz
  • Digitalisierung
  • Arbeitsorganisation

Er kann Vorschläge zur Fachkräftesicherung machen und Maßnahmen aktiv mitgestalten.


Bedeutung für Beschäftigte

Eine erfolgreiche Fachkräftesicherung kann führen zu:

  • geringerer Arbeitsbelastung
  • besseren Entwicklungsmöglichkeiten
  • mehr Weiterbildung
  • höherer Arbeitsplatzsicherheit
  • besseren Karrierechancen
  • attraktiveren Arbeitsbedingungen

Bedeutung für Betriebsräte

Der Betriebsrat sollte prüfen:

  • Gibt es eine langfristige Personalplanung?
  • Werden genügend Fachkräfte ausgebildet?
  • Gibt es Weiterbildungsangebote?
  • Steigt die Arbeitsbelastung?
  • Werden Überstunden dauerhaft notwendig?
  • Gibt es Maßnahmen zur Mitarbeiterbindung?

Bedeutung für Vertrauensleute

Vertrauensleute können:

  • Rückmeldungen aus der Belegschaft sammeln
  • Qualifizierungsbedarf erkennen
  • auf Überlastungen hinweisen
  • neue Beschäftigte unterstützen
  • Mitglieder für Weiterbildungsangebote gewinnen
  • den Betriebsrat bei Personalthemen unterstützen

Typische Arbeitgeberfehler

  • ausschließlich neue Fachkräfte suchen
  • Weiterbildung vernachlässigen
  • Ausbildung reduzieren
  • Überlastung der Beschäftigten akzeptieren
  • unattraktive Arbeitsbedingungen bieten
  • fehlende Personalplanung

Typische Fehler von Betriebsräten

  • Personalplanung nicht aktiv begleiten
  • Weiterbildungsrechte zu wenig nutzen
  • Überlastungen nicht dokumentieren
  • Gesundheitsbelastungen unterschätzen
  • Qualifizierungsbedarf nicht regelmäßig ermitteln

Praxisbeispiel

Ein Maschinenbauunternehmen findet seit Monaten keine Industriemechaniker.

Die vorhandenen Beschäftigten leisten regelmäßig Überstunden und übernehmen zusätzliche Aufgaben.

Der Betriebsrat verlangt nach §92 BetrVG Informationen zur Personalplanung und schlägt gemeinsam mit dem Arbeitgeber Maßnahmen vor: mehr Ausbildungsplätze, gezielte Weiterbildung, eine bessere Einarbeitung neuer Beschäftigter und flexible Arbeitszeitmodelle. Zusätzlich wird ein Gesundheitsprogramm eingeführt, um die Belastung der Belegschaft zu reduzieren.


Ablauf der Fachkräftesicherung

Personalbedarf analysieren

⬇️

Personalplanung

⬇️

Ausbildung und Qualifizierung

⬇️

Mitarbeiter gewinnen

⬇️

Beschäftigte binden

⬇️

Kontinuierliche Personalentwicklung


Verhältnis zu anderen Vorschriften

Vorschrift| Inhalt

§92 BetrVG| Personalplanung

§96 BetrVG| Berufsbildung

§97 BetrVG| Berufsbildung

§98 BetrVG| Bildungsmaßnahmen

BBiG| Berufsausbildung

ArbSchG| Gesundheitsschutz

SGB III| Arbeitsförderung


Merksatz

«Fachkräftemangel bedeutet, dass qualifizierte Beschäftigte für offene Stellen fehlen. Eine nachhaltige Fachkräftesicherung gelingt durch Personalplanung, Ausbildung, Weiterbildung, attraktive Arbeitsbedingungen und eine enge Zusammenarbeit von Arbeitgeber, Betriebsrat und Beschäftigten.»


Bezug zu Knoten


Praxisrelevanz

Der Fachkräftemangel gehört zu den zentralen Zukunftsthemen der Arbeitswelt. Er beeinflusst nahezu alle Bereiche eines Unternehmens – von der Personalplanung über die Digitalisierung bis hin zum Gesundheitsschutz. Für Betriebsräte und Vertrauensleute eröffnet er wichtige Mitgestaltungsmöglichkeiten: Sie können sich für eine vorausschauende Personalplanung, gute Ausbildungsbedingungen, gezielte Weiterbildung und gesundheitsgerechte Arbeitsbedingungen einsetzen. So lässt sich nicht nur der Bedarf an Fachkräften decken, sondern auch die Attraktivität des Unternehmens als Arbeitgeber langfristig steigern.

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