Betriebliches Gesundheitsmanagement
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Betriebliches Gesundheitsmanagement (BGM)

Kurzbeschreibung

Das Betriebliche Gesundheitsmanagement (BGM) ist ein systematischer und langfristiger Managementprozess zur Förderung und Erhaltung der Gesundheit aller Beschäftigten. Es verbindet Arbeitsschutz, Betriebliches Eingliederungsmanagement (BEM), Betriebliche Gesundheitsförderung (BGF) und Personalmanagement zu einem ganzheitlichen Konzept. Ziel ist es, gesunde Arbeitsbedingungen zu schaffen, Erkrankungen vorzubeugen und die Leistungsfähigkeit der Beschäftigten dauerhaft zu erhalten.

Der Betriebsrat spielt im BGM eine zentrale Rolle. Er verfügt über umfangreiche Beteiligungsrechte, insbesondere im Bereich des Arbeitsschutzes, der Gesundheitsförderung und der Gestaltung gesundheitsgerechter Arbeitsbedingungen.


Gesetzliche Grundlagen

Wichtige Vorschriften:

  • §3 ArbSchG – Grundpflichten des Arbeitgebers
  • §4 ArbSchG – Allgemeine Grundsätze
  • §5 ArbSchG – Gefährdungsbeurteilung
  • §12 ArbSchG – Unterweisung
  • §87 Abs. 1 Nr. 7 BetrVG – Mitbestimmung beim Gesundheitsschutz
  • §89 BetrVG – Arbeits- und Gesundheitsschutz
  • §90 BetrVG – Arbeitsgestaltung
  • §91 BetrVG – Besondere Belastungen
  • §167 Abs. 2 SGB IX – Betriebliches Eingliederungsmanagement (BEM)

Ziel des Betrieblichen Gesundheitsmanagements

Das BGM soll:

  • Gesundheit fördern
  • Erkrankungen vorbeugen
  • Arbeitsfähigkeit erhalten
  • Fehlzeiten reduzieren
  • Arbeitsbedingungen verbessern
  • Motivation steigern
  • Arbeitszufriedenheit erhöhen
  • Produktivität nachhaltig sichern

Bedeutung des BGM

Das Betriebliche Gesundheitsmanagement beantwortet die Fragen:

«Wie können Beschäftigte langfristig gesund arbeiten?»

«Welche Maßnahmen verbessern Gesundheit und Wohlbefinden?»

«Wie lassen sich Arbeitsbelastungen dauerhaft reduzieren?»

BGM versteht Gesundheit als Führungs- und Managementaufgabe und nicht nur als Reaktion auf Krankheiten.


Grundprinzip

Arbeitsbedingungen analysieren

⬇️

Belastungen erkennen

⬇️

Maßnahmen entwickeln

⬇️

Gesundheit fördern

⬇️

Erfolg kontrollieren

⬇️

Kontinuierliche Verbesserung


Bestandteile des BGM

Ein modernes BGM besteht aus mehreren Bausteinen:

  • Arbeitsschutz
  • Betriebliche Gesundheitsförderung (BGF)
  • Betriebliches Eingliederungsmanagement (BEM)
  • Prävention
  • Gesundheitsfördernde Führung
  • Gesundheitscontrolling

Arbeitsschutz

Der Arbeitsschutz bildet die gesetzliche Grundlage des BGM.

Dazu gehören unter anderem:

  • Gefährdungsbeurteilungen
  • Unterweisungen
  • sichere Arbeitsplätze
  • ergonomische Gestaltung
  • Unfallverhütung

Betriebliche Gesundheitsförderung (BGF)

Typische Maßnahmen:

  • Rückenschule
  • Bewegungskurse
  • Ernährungsberatung
  • Stressmanagement
  • Resilienztraining
  • Gesundheitsaktionen
  • Impfangebote
  • Gesundheitschecks

Die Teilnahme erfolgt grundsätzlich freiwillig.


Betriebliches Eingliederungsmanagement (BEM)

Das BEM unterstützt Beschäftigte nach längerer Krankheit bei der Rückkehr an den Arbeitsplatz.

Ziele:

  • Arbeitsfähigkeit erhalten
  • erneute Arbeitsunfähigkeit vermeiden
  • geeignete Maßnahmen finden
  • Arbeitsplatz anpassen

Siehe:

BEM


Gefährdungsbeurteilung

Ein wirksames BGM baut auf einer sorgfältigen Gefährdungsbeurteilung auf.

Erfasst werden insbesondere:

  • körperliche Belastungen
  • psychische Belastungen
  • ergonomische Risiken
  • organisatorische Belastungen
  • Unfallgefahren

Psychische Gesundheit

Ein modernes BGM berücksichtigt ausdrücklich auch psychische Belastungen.

Beispiele:

  • Arbeitsverdichtung
  • Zeitdruck
  • Konflikte
  • Mobbing
  • ständige Erreichbarkeit
  • Schichtarbeit
  • Personalmangel

Ergonomie

Zur ergonomischen Gestaltung gehören beispielsweise:

  • höhenverstellbare Arbeitsplätze
  • ergonomische Sitzmöbel
  • Hebehilfen
  • gute Beleuchtung
  • Lärmschutz
  • geeignete Arbeitsmittel

Digitalisierung

Die Digitalisierung verändert das Gesundheitsmanagement erheblich.

Neue Themen sind beispielsweise:

  • Homeoffice
  • mobile Arbeit
  • Bildschirmarbeit
  • digitale Belastungen
  • ständige Erreichbarkeit
  • hybride Arbeitsformen

KI im Gesundheitsmanagement

Künstliche Intelligenz kann das BGM unterstützen, etwa durch:

  • Auswertung anonymisierter Gesundheitsdaten
  • Analyse von Belastungen
  • Optimierung von Schichtplänen
  • ergonomische Assistenzsysteme
  • Frühwarnsysteme

Dabei sind Datenschutz und Mitbestimmung besonders zu beachten.


Beteiligungsrechte des Betriebsrats

Der Betriebsrat besitzt insbesondere Rechte bei:

  • Maßnahmen des Gesundheitsschutzes
  • Gefährdungsbeurteilungen
  • Arbeitsgestaltung
  • Arbeitszeitregelungen
  • ergonomischen Maßnahmen
  • Einführung gesundheitsrelevanter Systeme

Je nach Maßnahme bestehen Informations-, Beratungs- oder erzwingbare Mitbestimmungsrechte.


Bedeutung für Beschäftigte

Ein funktionierendes BGM führt häufig zu:

  • weniger Erkrankungen
  • geringeren Fehlzeiten
  • besserem Wohlbefinden
  • höherer Motivation
  • längerer Arbeitsfähigkeit
  • besserem Betriebsklima
  • höherer Arbeitszufriedenheit

Bedeutung für Betriebsräte

Der Betriebsrat sollte prüfen:

  • Gibt es ein BGM?
  • Werden Beschäftigte beteiligt?
  • Werden psychische Belastungen berücksichtigt?
  • Liegt eine aktuelle Gefährdungsbeurteilung vor?
  • Werden Maßnahmen regelmäßig überprüft?
  • Gibt es ein Gesundheitskonzept?

Bedeutung für Vertrauensleute

Vertrauensleute sind wichtige Ansprechpartner für gesundheitliche Themen.

Sie können:

  • Belastungen frühzeitig erkennen
  • Hinweise der Beschäftigten sammeln
  • Gesundheitsmaßnahmen bekannt machen
  • den Betriebsrat unterstützen
  • Beschäftigte zum BEM begleiten
  • Verbesserungen anregen

Typische Arbeitgeberfehler

  • ausschließlich auf Fehlzeiten reagieren
  • psychische Belastungen ignorieren
  • Gesundheitsmaßnahmen nicht evaluieren
  • Beschäftigte nicht beteiligen
  • BGM nur als Einzelaktion verstehen
  • Arbeitsschutz und BGM voneinander trennen

Typische Fehler von Betriebsräten

  • BGM nur auf Sportangebote reduzieren
  • psychische Belastungen unterschätzen
  • Gefährdungsbeurteilungen nicht einfordern
  • Beteiligungsrechte nicht ausschöpfen
  • Beschäftigte nicht ausreichend einbeziehen

Praxisbeispiel

Ein Unternehmen stellt steigende krankheitsbedingte Fehlzeiten fest.

Gemeinsam mit dem Betriebsrat wird ein Betriebliches Gesundheitsmanagement eingeführt.

Die Maßnahmen umfassen:

  • Gefährdungsbeurteilungen,
  • ergonomische Arbeitsplatzgestaltung,
  • Gesundheitskurse,
  • Stressprävention,
  • regelmäßige Mitarbeiterbefragungen,
  • ein strukturiertes BEM.

Nach zwei Jahren sinken die Fehlzeiten deutlich, während Zufriedenheit und Motivation der Beschäftigten steigen.


Ablauf eines BGM

Analyse

⬇️

Gefährdungsbeurteilung

⬇️

Maßnahmen planen

⬇️

Umsetzung

⬇️

Evaluation

⬇️

Kontinuierliche Verbesserung


Verhältnis zu anderen Vorschriften

Vorschrift| Inhalt

§3 ArbSchG| Grundpflichten des Arbeitgebers

§5 ArbSchG| Gefährdungsbeurteilung

§87 Abs. 1 Nr. 7 BetrVG| Mitbestimmung beim Gesundheitsschutz

§89 BetrVG| Arbeits- und Gesundheitsschutz

§167 Abs. 2 SGB IX| Betriebliches Eingliederungsmanagement


Merksatz

«Betriebliches Gesundheitsmanagement ist ein langfristiges Gesamtkonzept zur Förderung und Erhaltung der Gesundheit der Beschäftigten. Es verbindet Arbeitsschutz, Gesundheitsförderung und Eingliederungsmanagement und setzt auf die aktive Beteiligung von Arbeitgeber, Betriebsrat und Beschäftigten.»


Bezug zu Knoten


Praxisrelevanz

Das Betriebliche Gesundheitsmanagement gewinnt angesichts des demografischen Wandels, des Fachkräftemangels sowie der zunehmenden psychischen und körperlichen Belastungen in der Arbeitswelt immer mehr an Bedeutung. Ein erfolgreiches BGM beschränkt sich nicht auf einzelne Gesundheitsaktionen, sondern integriert Gesundheit dauerhaft in die Unternehmensstrategie. Betriebsräte und Vertrauensleute leisten dabei einen wesentlichen Beitrag, indem sie Belastungen frühzeitig erkennen, Beschäftigte beteiligen und gesundheitsgerechte Arbeitsbedingungen aktiv mitgestalten.

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