Umschulung
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Umschulung

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Umschulung

Kurzbeschreibung

Eine Umschulung ist eine berufliche Qualifizierungsmaßnahme, die Beschäftigten den Wechsel in einen neuen Beruf oder Tätigkeitsbereich ermöglicht. Sie dient dazu, neue berufliche Kenntnisse, Fähigkeiten und Fertigkeiten zu erwerben, wenn der bisherige Beruf dauerhaft nicht mehr ausgeübt werden kann oder sich die Anforderungen im Arbeitsmarkt wesentlich verändert haben.

Umschulungen spielen insbesondere bei Digitalisierung, Strukturwandel, gesundheitlichen Einschränkungen, Arbeitsplatzverlust oder Fachkräftemangel eine wichtige Rolle. Betriebsrat und Vertrauensleute können Beschäftigte bei der Planung und Durchführung einer Umschulung unterstützen.


Gesetzliche Grundlagen

Wichtige Vorschriften:

  • SGB III
  • SGB IX
  • BetrVG
  • §92 BetrVG – Personalplanung
  • §96 BetrVG – Förderung der Berufsbildung
  • §97 BetrVG – Einrichtungen und Maßnahmen der Berufsbildung
  • §98 BetrVG – Durchführung betrieblicher Bildungsmaßnahmen
  • BBiG

Ziel der Umschulung

Eine Umschulung soll:

  • den beruflichen Wiedereinstieg ermöglichen
  • Arbeitslosigkeit vermeiden
  • Beschäftigungsfähigkeit erhalten
  • Fachkräfte qualifizieren
  • berufliche Perspektiven schaffen
  • den Strukturwandel begleiten

Bedeutung der Umschulung

Die Umschulung beantwortet die Fragen:

«Wann ist eine Umschulung sinnvoll?»

«Wer finanziert eine Umschulung?»

«Welche Beteiligungsrechte hat der Betriebsrat?»

Sie ist ein wichtiges Instrument der beruflichen Weiterbildung und Arbeitsmarktpolitik.


Grundprinzip

Veränderte berufliche Situation

⬇️

Beratung

⬇️

Umschulung

⬇️

Neue Qualifikation

⬇️

Neuer Arbeitsplatz


Gründe für eine Umschulung

Häufige Gründe sind:

  • gesundheitliche Einschränkungen
  • Berufsunfähigkeit im bisherigen Beruf
  • Digitalisierung
  • Wegfall von Arbeitsplätzen
  • Strukturwandel
  • berufliche Neuorientierung
  • Fachkräftemangel
  • betriebliche Umstrukturierungen

Formen der Umschulung

Eine Umschulung kann erfolgen als:

  • betriebliche Umschulung
  • außerbetriebliche Umschulung
  • schulische Umschulung
  • duale Umschulung
  • Vollzeitmaßnahme
  • Teilzeitmaßnahme

Finanzierung

Je nach Einzelfall können die Kosten übernommen werden durch:

  • Bundesagentur für Arbeit
  • Deutsche Rentenversicherung
  • gesetzliche Unfallversicherung
  • Arbeitgeber
  • Integrationsamt (je nach Fall)
  • weitere öffentliche Förderprogramme

Die Voraussetzungen richten sich nach den jeweiligen gesetzlichen Förderregelungen.


Rolle des Arbeitgebers

Der Arbeitgeber kann:

  • Umschulungen fördern
  • Freistellungen ermöglichen
  • Qualifizierungsmaßnahmen anbieten
  • Bildungspläne entwickeln
  • interne Berufswechsel unterstützen

Ein allgemeiner gesetzlicher Anspruch auf eine Umschulung besteht jedoch nicht.


Mitbestimmung des Betriebsrats

Der Betriebsrat hat insbesondere Beteiligungsrechte bei:

  • betrieblicher Berufsbildung
  • Personalplanung
  • Qualifizierungsmaßnahmen
  • Einführung betrieblicher Bildungsmaßnahmen

Besonders relevant sind:

  • §96 BetrVG
  • §97 BetrVG
  • §98 BetrVG

Umschulung und Gesundheit

Eine Umschulung kann insbesondere erforderlich sein,

wenn Beschäftigte ihren bisherigen Beruf aus gesundheitlichen Gründen dauerhaft nicht mehr ausüben können.

Dies betrifft beispielsweise:

  • Arbeitsunfälle
  • Berufskrankheiten
  • chronische Erkrankungen
  • körperliche Einschränkungen

In diesen Fällen kommen häufig Leistungen nach dem SGB IX oder durch die Deutsche Rentenversicherung in Betracht.


Digitalisierung

Die Digitalisierung erhöht den Bedarf an Umschulungen.

Typische neue Berufsfelder sind:

  • IT
  • Automatisierung
  • Robotik
  • KI-Anwendungen
  • Datenanalyse
  • digitale Verwaltung

Lebenslanges Lernen gewinnt dadurch zunehmend an Bedeutung.


Bedeutung für Beschäftigte

Eine Umschulung bietet:

  • neue berufliche Chancen
  • höhere Beschäftigungssicherheit
  • bessere Karriereperspektiven
  • gesundheitliche Entlastung
  • Anpassung an den Arbeitsmarkt

Bedeutung für Betriebsräte

Der Betriebsrat sollte prüfen:

  • Besteht Qualifizierungsbedarf?
  • Gibt es Fördermöglichkeiten?
  • Werden Beschäftigte ausreichend beraten?
  • Sind betriebliche Bildungsangebote vorhanden?
  • Werden gesundheitliche Einschränkungen berücksichtigt?

Bedeutung für Vertrauensleute

Vertrauensleute können:

  • Beschäftigte auf Fördermöglichkeiten hinweisen
  • Beratungsangebote vermitteln
  • den Kontakt zum Betriebsrat herstellen
  • Ängste vor Veränderungen abbauen
  • für Qualifizierung werben

Typische Arbeitgeberfehler

  • Qualifizierungsbedarf ignorieren
  • Umschulungen zu spät anbieten
  • gesundheitliche Einschränkungen nicht berücksichtigen
  • Beschäftigte unzureichend informieren
  • Weiterbildung nur kurzfristig planen

Typische Fehler von Betriebsräten

  • Qualifizierungsbedarf unterschätzen
  • Fördermöglichkeiten nicht kennen
  • Beschäftigte zu spät beraten
  • Digitalisierung ohne Bildungsstrategie begleiten
  • Bildungsmaßnahmen nicht aktiv einfordern

Praxisbeispiel

Ein Beschäftigter kann nach einer schweren Schulterverletzung dauerhaft keine körperlich belastende Tätigkeit mehr ausüben.

Gemeinsam mit dem Arbeitgeber, dem Betriebsrat und der Deutschen Rentenversicherung wird eine Umschulung zum technischen Sachbearbeiter organisiert. Während der Umschulung erhält der Beschäftigte finanzielle Unterstützung und kann anschließend auf einem leidensgerechten Arbeitsplatz weiterbeschäftigt werden.


Ablauf einer Umschulung

Beratungsbedarf feststellen

⬇️

Fördermöglichkeiten prüfen

⬇️

Berufsziel festlegen

⬇️

Bewilligung

⬇️

Durchführung der Umschulung

⬇️

Abschluss

⬇️

Einsatz im neuen Beruf


Verhältnis zu anderen Vorschriften

Vorschrift| Inhalt

SGB III| Arbeitsförderung

SGB IX| Rehabilitation und Teilhabe

§92 BetrVG| Personalplanung

§96 BetrVG| Förderung der Berufsbildung

§97 BetrVG| Berufsbildungsmaßnahmen

§98 BetrVG| Durchführung betrieblicher Bildungsmaßnahmen

BBiG| Berufsbildung


Merksatz

«Eine Umschulung ermöglicht den Wechsel in einen neuen Beruf, wenn der bisherige Beruf dauerhaft nicht mehr ausgeübt werden kann oder neue Qualifikationen erforderlich werden. Sie trägt zur Sicherung der Beschäftigungsfähigkeit bei und wird häufig durch öffentliche Leistungsträger gefördert. Betriebsrat und Vertrauensleute unterstützen Beschäftigte bei Qualifizierung und beruflicher Neuorientierung.»


Bezug zu Knoten


Praxisrelevanz

Umschulungen gewinnen durch Digitalisierung, demografischen Wandel und den Strukturwandel der Arbeitswelt stetig an Bedeutung. Sie helfen Beschäftigten, ihre Beschäftigungsfähigkeit zu erhalten oder nach gesundheitlichen Einschränkungen wieder am Arbeitsleben teilzunehmen. Betriebsräte sollten sich frühzeitig für Qualifizierungsstrategien einsetzen und gemeinsam mit Arbeitgebern, Sozialversicherungsträgern und Bildungseinrichtungen tragfähige Lösungen für betroffene Beschäftigte entwickeln.

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