Arbeitsfähigkeit
Kurzbeschreibung
Arbeitsfähigkeit beschreibt die Fähigkeit eines Menschen, seine beruflichen Aufgaben unter den gegebenen Bedingungen erfolgreich auszuführen.
Sie hängt nicht nur von der Gesundheit einer Person ab, sondern vom Zusammenspiel verschiedener Faktoren:
- persönliche Fähigkeiten
- körperliche und psychische Gesundheit
- Arbeitsbedingungen
- Arbeitsorganisation
- technische Unterstützung
- soziale Faktoren
Grundgedanke:
Arbeitsfähigkeit entsteht durch das Zusammenspiel zwischen Mensch und Arbeitsumgebung.
Unterschied Arbeitsfähigkeit und Arbeitsfähigkeit im rechtlichen Sinn
Der Begriff wird unterschiedlich verwendet.
Arbeitsfähigkeit im Alltag
Bedeutet:
Eine Person kann ihre beruflichen Aufgaben erfüllen.
Arbeitsfähigkeit im arbeitsrechtlichen Zusammenhang
Bezieht sich häufig darauf, ob eine Beschäftigte oder ein Beschäftigter die geschuldete Arbeitsleistung erbringen kann.
Beispiel:
- Ist die Person gesundheitlich in der Lage, die Tätigkeit auszuführen?
- Gibt es Einschränkungen?
Arbeitsfähigkeit und Beschäftigungsfähigkeit
Die Begriffe werden häufig ähnlich verwendet.
|Arbeitsfähigkeit|Beschäftigungsfähigkeit|
|-|-|
|Fähigkeit, eine konkrete Arbeit auszuführen|Fähigkeit, langfristig am Arbeitsmarkt teilzunehmen|
|Bezieht sich stärker auf aktuelle Tätigkeit|Umfasst Qualifikation, Gesundheit und Anpassungsfähigkeit|
Faktoren der Arbeitsfähigkeit
Arbeitsfähigkeit wird durch mehrere Bereiche beeinflusst.
Gesundheit
Dazu gehören:
- körperliche Gesundheit
- psychische Gesundheit
- Belastbarkeit
- Erholungsfähigkeit
Siehe:
Fähigkeiten und Qualifikationen
Arbeitsfähigkeit hängt auch ab von:
- Fachwissen
- Erfahrung
- Lernfähigkeit
- digitalen Kompetenzen
Siehe:
Arbeitsbedingungen
Die Gestaltung des Arbeitsplatzes beeinflusst wesentlich die Arbeitsfähigkeit.
Beispiele:
- Ergonomie
- Arbeitszeitgestaltung
- Arbeitsmittel
- Belastungen
- Arbeitsumgebung
Siehe:
Führung und Organisation
Eine gute Arbeitsorganisation unterstützt Arbeitsfähigkeit.
Wichtige Faktoren:
- Wertschätzung
- klare Aufgaben
- Beteiligung
- Unterstützung durch Führungskräfte
Siehe:
Das Haus der Arbeitsfähigkeit
Ein bekanntes Modell ist das:
Haus der Arbeitsfähigkeit
nach dem finnischen Arbeitswissenschaftler:
Es besteht aus mehreren Ebenen:
- Arbeit und Arbeitsbedingungen
↑
- Werte, Einstellungen, Motivation
↑
- Kompetenz und Qualifikation
↑
- Gesundheit und Leistungsfähigkeit
Alle Ebenen beeinflussen sich gegenseitig.
Arbeitsfähigkeit erhalten
Ziel moderner Arbeitsgestaltung ist nicht nur die Wiederherstellung, sondern die langfristige Erhaltung der Arbeitsfähigkeit.
Maßnahmen:
- Prävention
- Gesundheitsförderung
- Weiterbildung
- ergonomische Arbeitsplätze
- altersgerechte Gestaltung
- Anpassung von Tätigkeiten
Betriebliches Gesundheitsmanagement (BGM)
Das:
Betriebliches Gesundheitsmanagement
fasst systematische Maßnahmen zusammen, um Gesundheit und Arbeitsfähigkeit zu fördern.
Bestandteile:
- Arbeitsschutz
- Gesundheitsförderung
- Eingliederung
- Prävention
Betriebliche Gesundheitsförderung (BGF)
BGF umfasst freiwillige Maßnahmen des Arbeitgebers.
Beispiele:
- Bewegungsangebote
- Stressprävention
- Gesundheitskurse
- Ernährung
Siehe:
Betriebliche Gesundheitsförderung
Arbeitsfähigkeit und BEM
Das:
unterstützt Beschäftigte nach längerer Krankheit.
Ziele:
- Arbeitsunfähigkeit überwinden
- erneuter Erkrankung vorbeugen
- Arbeitsplatz erhalten
Grundlage:
Arbeitsfähigkeit nach Krankheit oder Unfall
Nach gesundheitlichen Einschränkungen können Maßnahmen notwendig sein.
Beispiele:
- Arbeitsplatzanpassung
- technische Hilfsmittel
- geänderte Arbeitsorganisation
- stufenweise Wiedereingliederung
Siehe:
Arbeitsfähigkeit und Schwerbehinderung
Menschen mit Behinderung können Unterstützung erhalten durch:
- Anpassung des Arbeitsplatzes
- technische Hilfen
- besondere Schutzrechte
Grundlage:
Arbeitsfähigkeit und Alter
Der demografische Wandel erhöht die Bedeutung der Arbeitsfähigkeit.
Herausforderungen:
- längere Erwerbsbiografien
- ältere Belegschaften
- Fachkräftemangel
Maßnahmen:
- altersgerechte Arbeitsplätze
- Wissenstransfer
- Weiterbildung
Siehe:
Rolle des Arbeitgebers
Arbeitgeber haben Verantwortung für sichere und gesundheitsgerechte Arbeit.
Aufgaben:
- Gefährdungsbeurteilung durchführen
- Schutzmaßnahmen umsetzen
- Arbeitsplätze gestalten
- Beschäftigte unterstützen
Grundlage:
Rolle des Betriebsrats
Der Betriebsrat hat wichtige Beteiligungsrechte bei Themen, die Arbeitsfähigkeit beeinflussen.
Beispiele:
- Gesundheitsschutz
- Arbeitszeit
- Arbeitsplatzgestaltung
- technische Veränderungen
- Belastungsreduzierung
Grundlagen:
Besonders relevant:
- §80 BetrVG
- §87 BetrVG
- §89 BetrVG
- §90 BetrVG
- §91 BetrVG
Rolle der Gewerkschaften
Gewerkschaften setzen sich ein für:
- gute Arbeitsbedingungen
- gesundheitsgerechte Arbeit
- sichere Beschäftigung
- Vereinbarkeit von Arbeit und Gesundheit
Siehe:
Typische Gefährdungen der Arbeitsfähigkeit
Körperliche Belastungen
Beispiele:
- schwere Lasten
- monotone Bewegungen
- ungünstige Körperhaltungen
Psychische Belastungen
Beispiele:
- Zeitdruck
- Arbeitsverdichtung
- fehlende Unterstützung
- Konflikte
Siehe:
Typische Fehler
- Arbeitsfähigkeit nur als persönliche Eigenschaft betrachten
- Krankheit mit fehlender Leistungsfähigkeit gleichsetzen
- Arbeitsplatzbedingungen ignorieren
- Prävention erst nach Problemen beginnen
- Beschäftigte nicht beteiligen
Praxisbeispiel
Eine Beschäftigte kann nach einer Schulterverletzung ihre ursprüngliche Tätigkeit nicht vollständig ausführen.
Maßnahmen:
1. Arbeitsplatzanalyse
2. technische Anpassungen
3. Einsatz geeigneter Hilfsmittel
4. Abstimmung mit Betriebsarzt und Beschäftigter
5. langfristige Sicherung der Tätigkeit
Ergebnis:
Arbeitsfähigkeit wird erhalten und Beschäftigung gesichert.
Verhältnis zu anderen Themen
|Thema|Zusammenhang|
|-|-|
|BEM|Wiederherstellung und Erhalt der Arbeitsfähigkeit|
|Arbeitsschutz|Schutz der Gesundheit|
|Gesundheitsschutz|Förderung von Arbeitsfähigkeit|
|Betriebliches Gesundheitsmanagement|Systematischer Ansatz|
|Rehabilitation|Wiederherstellung nach Einschränkungen|
|Arbeitsgestaltung|Anpassung der Arbeit|
|Ergonomie|Gesundheitsgerechte Gestaltung|
|Fachkräftesicherung|Erhalt vorhandener Kompetenzen|
|Demografischer Wandel|Steigende Bedeutung|
Merksatz
Arbeitsfähigkeit entsteht durch das Zusammenspiel von Gesundheit, Kompetenzen und geeigneten Arbeitsbedingungen und muss während des gesamten Erwerbslebens erhalten und gefördert werden.
Bezug zu Knoten
- BEM
- Arbeitsschutz
- Gesundheitsschutz
- Betriebliches Gesundheitsmanagement
- Betriebliche Gesundheitsförderung
- Rehabilitation
- Wiedereingliederung
- Arbeitsgestaltung
- Ergonomie
- Fachkräftesicherung
Praxisrelevanz
Arbeitsfähigkeit ist ein zentrales Thema moderner Arbeitswelten.
Für AELS besonders relevant:
- Erhalt von Beschäftigung trotz gesundheitlicher Einschränkungen
- Prävention statt reine Reaktion
- Gestaltung gesundheitsgerechter Arbeit
- BEM und Mitbestimmung
- Umgang mit demografischem Wandel
Im Kontext von AELS verbindet Arbeitsfähigkeit Arbeitsrecht, Gesundheit, Personalentwicklung, Arbeitsschutz und nachhaltige Beschäftigung.
