Benachteiligungsverbot
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Benachteiligungsverbot

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Benachteiligungsverbot

Kurzbeschreibung

Das Benachteiligungsverbot schützt Mitglieder des Betriebsrats sowie andere betriebsverfassungsrechtliche Funktionsträger davor, wegen ihrer gesetzlichen Tätigkeit schlechter behandelt zu werden als vergleichbare Beschäftigte. Niemand darf aufgrund seines Engagements für die Interessenvertretung Nachteile im Arbeitsverhältnis erleiden.

Die wichtigste gesetzliche Grundlage ist §78 BetrVG. Das Benachteiligungsverbot ist ein tragender Grundsatz des Betriebsverfassungsrechts und gewährleistet, dass Betriebsratsmitglieder ihre Aufgaben unabhängig, frei von Druck und ohne Angst vor beruflichen Nachteilen wahrnehmen können. Verstöße können arbeitsrechtliche Folgen und in schweren Fällen sogar strafrechtliche Konsequenzen nach §119 BetrVG haben. ("gesetze-im-internet.de" (https://www.gesetze-im-internet.de/betrvg/__78.html?utm_source=chatgpt.com))


Gesetzliche Grundlagen

Wichtige Vorschriften:

  • §37 BetrVG – Ehrenamt und Arbeitsbefreiung
  • §38 BetrVG – Freistellung
  • §78 BetrVG – Benachteiligungs- und Begünstigungsverbot
  • §119 BetrVG – Strafvorschriften
  • Art. 3 GG – Gleichheitsgrundsatz
  • §612a BGB – Maßregelungsverbot

Ziel des Benachteiligungsverbots

Das Benachteiligungsverbot soll:

  • die Unabhängigkeit des Betriebsrats sichern
  • Druck auf Betriebsratsmitglieder verhindern
  • freie Amtsausübung ermöglichen
  • Chancengleichheit gewährleisten
  • berufliche Nachteile verhindern
  • eine wirksame Mitbestimmung sicherstellen

Bedeutung des Benachteiligungsverbots

Das Benachteiligungsverbot beantwortet die Fragen:

«Darf ein Betriebsratsmitglied wegen seines Amtes schlechter behandelt werden?»

«Welche Nachteile sind unzulässig?»

«Welche Rechte bestehen bei Verstößen?»

Grundsatz:

Kein Beschäftigter darf wegen seiner Betriebsratstätigkeit benachteiligt oder begünstigt werden.

("gesetze-im-internet.de" (https://www.gesetze-im-internet.de/betrvg/__78.html?utm_source=chatgpt.com))


Grundprinzip

Betriebsratsamt

⬇️

keine Benachteiligung

⬇️

keine Begünstigung

⬇️

Gleichbehandlung


Was bedeutet Benachteiligung?

Eine Benachteiligung liegt vor,

wenn ein Betriebsratsmitglied wegen seiner Betriebsratstätigkeit schlechter gestellt wird als vergleichbare Arbeitnehmer.

Entscheidend ist der Zusammenhang zwischen:

Betriebsratstätigkeit

⬇️

nachteilige Behandlung


Typische Benachteiligungen

Beispiele:

  • verweigerte Beförderung
  • ungerechtfertigte Abmahnung
  • Kündigungsandrohung
  • schlechtere Beurteilungen
  • Ausschluss von Fortbildungen
  • geringere Gehaltserhöhungen
  • Versetzung als Reaktion auf die Betriebsratstätigkeit
  • Ausschluss von Projekten
  • Mobbing durch Vorgesetzte

Berufliche Entwicklung

Betriebsratsmitglieder dürfen durch ihre Amtsausübung keine Nachteile bei ihrer beruflichen Entwicklung erleiden.

Dazu gehören insbesondere:

  • Gehaltsentwicklung
  • Karrierechancen
  • Qualifizierungen
  • Fortbildungen
  • Leistungszulagen
  • Beförderungen

Die Entwicklung muss grundsätzlich derjenigen vergleichbarer Beschäftigter entsprechen.


Ehrenamt

Das Betriebsratsamt ist ein:

Ehrenamt

Die Tätigkeit darf weder zu Vorteilen noch zu Nachteilen führen.

Siehe:

§37 BetrVG


Freigestellte Betriebsratsmitglieder

Auch vollständig freigestellte Betriebsratsmitglieder stehen unter dem Schutz des Benachteiligungsverbots.

Sie dürfen insbesondere nicht benachteiligt werden bei:

  • Entgeltentwicklung
  • beruflichem Aufstieg
  • Leistungsbeurteilungen
  • Weiterbildung
  • Karriereentwicklung

Zusammenhang mit dem Begünstigungsverbot

Das Benachteiligungsverbot ergänzt das:

Begünstigungsverbot

Beide Vorschriften verfolgen dasselbe Ziel:

Gleichbehandlung

⬇️

keine Nachteile

⬇️

keine Vorteile


Zusammenhang mit §612a BGB

Neben dem BetrVG schützt auch:

§612a BGB

Beschäftigte vor Benachteiligungen,

wenn sie ihre Rechte in zulässiger Weise ausüben.

Beide Vorschriften können nebeneinander Anwendung finden.


Rechtsfolgen

Bei einer Benachteiligung kann der Betroffene unter anderem:

  • Beseitigung der Benachteiligung verlangen
  • Gleichbehandlung verlangen
  • Schadensersatzansprüche geltend machen
  • das Arbeitsgericht anrufen
  • Unterlassung verlangen

In schweren Fällen kommt zusätzlich eine Strafbarkeit nach §119 BetrVG in Betracht.


Bedeutung für Arbeitgeber

Arbeitgeber müssen sicherstellen,

dass Betriebsratsmitglieder:

  • objektiv beurteilt werden,
  • gleich behandelt werden,
  • keine Nachteile wegen ihres Amtes erfahren,
  • beruflich nicht zurückgesetzt werden.

Bedeutung für Betriebsräte

Betriebsräte sollten:

  • Benachteiligungen dokumentieren
  • Vergleichspersonen benennen
  • Entscheidungen nachvollziehbar prüfen
  • Verstöße frühzeitig rügen
  • rechtliche Unterstützung einholen

Bedeutung für Vertrauensleute

Vertrauensleute erleben häufig,

wenn Betriebsratsmitglieder:

  • unter Druck gesetzt werden,
  • schlechter behandelt werden,
  • berufliche Nachteile erleiden.

Sie können:

  • Vorfälle dokumentieren,
  • Beschäftigte unterstützen,
  • den Betriebsrat informieren,
  • Solidarität organisieren.

Typische Arbeitgeberfehler

  • schlechtere Leistungsbeurteilungen wegen des Betriebsratsamtes
  • Beförderungen verweigern
  • Fortbildungen ausschließen
  • Versetzungen als Druckmittel einsetzen
  • Gehaltsentwicklung benachteiligen
  • Einschüchterungen oder Mobbing dulden

Typische Fehler von Betriebsräten

  • Benachteiligungen nicht dokumentieren
  • Vergleichspersonen nicht benennen
  • Ansprüche zu spät geltend machen
  • Benachteiligungen als „normal“ hinnehmen
  • rechtliche Unterstützung nicht nutzen

Praxisbeispiel

Ein Betriebsratsmitglied bewirbt sich auf eine frei gewordene Führungsposition.

Obwohl es die erforderliche Qualifikation besitzt und vergleichbare Beschäftigte mit ähnlicher Erfahrung befördert wurden, lehnt der Arbeitgeber die Bewerbung mit der Begründung ab, das Betriebsratsamt lasse sich nicht mit einer Führungsfunktion vereinbaren.

Da die Ablehnung unmittelbar an die Betriebsratstätigkeit anknüpft, verstößt sie gegen das Benachteiligungsverbot nach §78 BetrVG. Das Betriebsratsmitglied kann arbeitsgerichtlich gegen diese Benachteiligung vorgehen.


Ablauf einer Prüfung

Nachteil

⬇️

Vergleich mit anderen Beschäftigten

⬇️

Zusammenhang mit Betriebsratstätigkeit?

⬇️

Ja

⬇️

Verstoß gegen das Benachteiligungsverbot

⬇️

Ansprüche geltend machen


Verhältnis zu anderen Vorschriften

Vorschrift| Inhalt

§37 BetrVG| Ehrenamt

§38 BetrVG| Freistellung

§78 BetrVG| Benachteiligungs- und Begünstigungsverbot

§119 BetrVG| Strafvorschriften

§612a BGB| Maßregelungsverbot


Merksatz

«Das Benachteiligungsverbot schützt Betriebsratsmitglieder davor, wegen ihrer gesetzlichen Tätigkeit schlechter behandelt zu werden als vergleichbare Beschäftigte. Das Betriebsratsamt darf weder berufliche Nachteile noch Einschränkungen der persönlichen Entwicklung nach sich ziehen.»


Bezug zu Knoten


Praxisrelevanz

Das Benachteiligungsverbot gehört zu den wichtigsten Schutzvorschriften des Betriebsverfassungsrechts. Ohne diesen Schutz könnten Arbeitgeber durch Versetzungen, schlechtere Beurteilungen, verweigerte Beförderungen oder andere Nachteile erheblichen Druck auf Betriebsratsmitglieder ausüben. Gerade bei Personalentscheidungen, Leistungsbewertungen und Karriereentwicklungen spielt das Benachteiligungsverbot daher eine zentrale Rolle. Gemeinsam mit dem Begünstigungsverbot gewährleistet es, dass Betriebsratsmitglieder ihr Ehrenamt unabhängig und ohne Furcht vor beruflichen Konsequenzen ausüben können.

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