IWW Deutschland – Industrial Workers of the World
Kurzbeschreibung
Die IWW Deutschland – Industrial Workers of the World ist eine basisorientierte Gewerkschaftsorganisation und Teil der internationalen IWW-Bewegung.
Die IWW wurde 1905 in den USA gegründet und entwickelte sich zu einer internationalen Gewerkschaftsbewegung mit dem Ziel, Beschäftigte unabhängig von Berufsgruppen und Branchen gemeinsam zu organisieren.
In Deutschland versteht sich die IWW insbesondere als:
- Basisgewerkschaft
- selbstorganisierte Arbeitnehmerorganisation
- internationale Gewerkschaftsbewegung
- Organisation für direkte Beteiligung von Beschäftigten
Die IWW unterscheidet sich von klassischen Gewerkschaften insbesondere durch:
- starke Orientierung auf direkte Aktion
- basisdemokratische Strukturen
- branchenübergreifende Organisation
- Selbstorganisation der Beschäftigten
- internationale Vernetzung
Gesetzliche Grundlagen
Wichtige Vorschriften:
- Art. 9 Abs. 3 GG
- Koalitionsfreiheit
- Recht zur Bildung von Gewerkschaften
- Schutz gewerkschaftlicher Betätigung
- TVG
- Tarifautonomie und Tarifverträge
- BetrVG
- Mitbestimmung durch Betriebsräte
- ArbSchG
- Arbeits- und Gesundheitsschutz
Ziele der IWW
Die IWW verfolgt insbesondere folgende Ziele:
- Verbesserung der Arbeitsbedingungen
- Stärkung der Selbstorganisation von Beschäftigten
- internationale Solidarität zwischen Arbeitnehmern
- Bekämpfung von Ausbeutung
- Unterstützung von Arbeitskämpfen
- Förderung demokratischer Entscheidungsstrukturen
- Organisierung unabhängig von Beruf oder Branche
- Aufbau dauerhafter Beschäftigtenstrukturen
Aufgaben der IWW
Zu den wichtigsten Aufgaben gehören:
- Beschäftigte organisieren
- Arbeitskonflikte unterstützen
- betriebliche Gruppen aufbauen
- Arbeitnehmer über ihre Rechte informieren
- Solidaritätsaktionen durchführen
- gewerkschaftliche Bildung fördern
- internationale Zusammenarbeit ermöglichen
- Beschäftigte bei Konflikten am Arbeitsplatz unterstützen
Bedeutung der IWW
Die IWW beantwortet insbesondere folgende Fragen:
Können Beschäftigte sich unabhängig von Branche und Berufsgruppe gemeinsam organisieren?
Welche Möglichkeiten gibt es neben klassischen Gewerkschaftsstrukturen?
Wie können Arbeitnehmer direkt Einfluss auf ihre Arbeitsbedingungen nehmen?
Die IWW steht für ein Modell der Gewerkschaftsarbeit, bei dem die aktive Beteiligung der Beschäftigten im Mittelpunkt steht.
Grundprinzip
Beschäftigte verschiedener Bereiche
⬇️
Gemeinsame Interessen erkennen
⬇️
Sich selbst organisieren
⬇️
Gemeinsam handeln
⬇️
Arbeitsbedingungen verbessern
Organisation der IWW Deutschland
Die IWW Deutschland – Industrial Workers of the World ist nach den Grundsätzen einer basisdemokratischen Gewerkschaft organisiert.
Die IWW unterscheidet sich von klassischen Gewerkschaftsmodellen durch:
- möglichst direkte Beteiligung der Mitglieder
- dezentrale Strukturen
- Selbstorganisation statt starker Hierarchien
- internationale Zusammenarbeit
- branchenübergreifende Organisation
Die Organisationsstruktur umfasst insbesondere:
- lokale Ortsgruppen
- Branchengruppen
- Betriebsgruppen
- Arbeitsgruppen
- Delegiertenstrukturen
- internationale Verbindung zur IWW-Bewegung
Die kleinste Einheit ist häufig eine Gruppe von Beschäftigten, die sich zu gemeinsamen Interessen und konkreten Problemen am Arbeitsplatz organisiert.
Mitglieder der IWW
Die IWW organisiert Beschäftigte unabhängig von:
- Beruf
- Branche
- Beschäftigungsform
- Qualifikation
Zu den möglichen Mitgliedern gehören beispielsweise:
- Beschäftigte in Industrie und Produktion
- Beschäftigte im Dienstleistungsbereich
- Beschäftigte in Logistik und Transport
- Beschäftigte in Gastronomie
- Beschäftigte in Bildung und Wissenschaft
- prekär Beschäftigte
- Leiharbeitnehmerinnen und Leiharbeitnehmer
- Auszubildende
- Erwerbstätige in unsicheren Arbeitsverhältnissen
Ein besonderer Schwerpunkt liegt auf Bereichen, in denen Beschäftigte häufig wenig organisiert sind.
Historischer Hintergrund
Die IWW wurde 1905 in den USA gegründet.
Historisch entstand sie als Antwort auf:
- schlechte Arbeitsbedingungen
- geringe Rechte vieler Arbeiterinnen und Arbeiter
- fehlende Interessenvertretung in vielen Branchen
- starke soziale Ungleichheiten
Bekannt wurde die IWW unter dem Namen:
„Wobblies“
Die Organisation entwickelte die Idee einer branchenübergreifenden Arbeiterbewegung, in der Beschäftigte unabhängig von Beruf und Herkunft gemeinsam organisiert werden.
Gewerkschaftliches Konzept
Die IWW orientiert sich am Konzept des Syndikalismus.
Zentrale Elemente sind:
- Selbstorganisation
- direkte Demokratie
- Solidarität
- direkte Beteiligung
- kollektive Interessenvertretung
- internationale Zusammenarbeit
Beschäftigte sollen nicht nur Mitglieder einer Organisation sein, sondern aktiv an Entscheidungen und Aktionen beteiligt werden.
Tarifpolitik
Die IWW kann tarifpolitische Ziele verfolgen und Arbeitsbedingungen kollektiv verbessern.
Schwerpunkte sind:
- höhere Löhne
- bessere Arbeitszeiten
- Schutz vor unfairen Arbeitsbedingungen
- Verbesserung von Sicherheit und Gesundheit
- Beschäftigtenrechte
Die Vorgehensweise unterscheidet sich teilweise von großen Gewerkschaften:
- Aufbau von Basisstrukturen im Betrieb
- direkte Verhandlungen durch Beschäftigte
- gemeinsames Handeln vor Ort
- langfristige Organisierung
Grundlage bildet die durch das TVG geschützte Tarifautonomie.
Arbeitskampf und direkte Aktion
Ein zentrales Element der IWW ist die sogenannte direkte Aktion.
Darunter können fallen:
- gemeinsame Gespräche mit Arbeitgebern
- öffentliche Aktionen
- Solidaritätsaktionen
- betriebliche Kampagnen
- kollektive Forderungen
- Arbeitskampfmaßnahmen
Ziel ist, dass Beschäftigte ihre Interessen nicht nur über Stellvertretungen, sondern aktiv selbst vertreten.
Verhältnis zu klassischen Gewerkschaften
Die IWW unterscheidet sich von großen Gewerkschaftsverbänden.
|Organisation|Schwerpunkt|
|-|-|
|IWW|Basisorganisation, Selbstorganisation, direkte Beteiligung|
|DGB-Gewerkschaften|Branchenbezogene Tarifpolitik, Rechtsschutz, große Strukturen|
|Fachgewerkschaften|Vertretung bestimmter Berufsgruppen|
|Betriebsrat|Gesetzliche Mitbestimmung im Betrieb|
Die IWW stellt eine alternative Form gewerkschaftlicher Organisierung dar.
Betriebsratsarbeit und Mitbestimmung
Die IWW unterstützt Beschäftigte insbesondere bei:
- Aufbau von Beschäftigtenstrukturen
- Durchsetzung von Arbeitnehmerrechten
- Konflikten mit Arbeitgebern
- gemeinsamer Interessenvertretung
Die gesetzliche Rolle des Betriebsrats bleibt unabhängig von der Gewerkschaftszugehörigkeit bestehen.
Die Mitbestimmungsrechte ergeben sich insbesondere aus dem BetrVG.
Leistungen für Mitglieder
Zu den Leistungen können gehören:
- Beratung bei Problemen am Arbeitsplatz
- Unterstützung bei Arbeitskonflikten
- gewerkschaftliche Bildung
- Austausch mit anderen Beschäftigten
- Unterstützung beim Aufbau betrieblicher Gruppen
- Informationen zu Arbeitnehmerrechten
- internationale Vernetzung
Der Schwerpunkt liegt auf gemeinsamer Organisierung und nicht ausschließlich auf individuellen Dienstleistungen.
Bedeutung für Beschäftigte
Die IWW kann insbesondere für Beschäftigte interessant sein, die:
- direkte Beteiligung bevorzugen
- sich selbst organisieren möchten
- in wenig organisierten Bereichen arbeiten
- alternative Gewerkschaftsmodelle suchen
- internationale Solidarität wichtig finden
Bedeutung für Ansprechpartner und Vertrauenspersonen
Die IWW arbeitet mit aktiven Mitgliedern, Organisatorinnen und Organisatoren sowie betrieblichen Gruppen zusammen. Da die IWW auf Selbstorganisation setzt, übernehmen Mitglieder selbst Verantwortung für den Aufbau und die Weiterentwicklung gewerkschaftlicher Strukturen.
Sie übernehmen insbesondere folgende Aufgaben:
- Beschäftigte informieren
- Kolleginnen und Kollegen bei Problemen unterstützen
- betriebliche Kontakte aufbauen
- Arbeitsbedingungen gemeinsam analysieren
- Beschäftigte über ihre Rechte informieren
- gemeinsame Forderungen entwickeln
- Konflikte mit Arbeitgebern begleiten
- Solidarität zwischen Beschäftigten fördern
- Erfahrungen aus verschiedenen Branchen austauschen
- neue Mitglieder unterstützen
Die Rolle der Aktiven unterscheidet sich von klassischen hauptamtlichen Gewerkschaftsfunktionen, da die direkte Beteiligung der Beschäftigten im Mittelpunkt steht.
Typische Fehler
- die IWW mit einer klassischen DGB-Gewerkschaft verwechseln
- die IWW ausschließlich als historische Organisation betrachten
- die IWW mit einer politischen Partei gleichsetzen
- Gewerkschaft und Betriebsrat verwechseln
- Syndikalismus mit fehlender Organisation gleichsetzen
- die internationale Ausrichtung der IWW unterschätzen
- die Unterschiede zwischen Basisgewerkschaft und Fachgewerkschaft nicht erkennen
Die IWW ist eine eigenständige Gewerkschaftsorganisation mit einem besonderen Organisationsmodell.
Typische Fehler von Beschäftigten
- Arbeitsprobleme ausschließlich individuell lösen wollen
- eigene Handlungsmöglichkeiten unterschätzen
- fehlende Organisation im Betrieb als unveränderbar ansehen
- Arbeitsrechte nicht kennen
- Konflikte aus Angst vor Nachteilen nicht gemeinsam angehen
- Kolleginnen und Kollegen nicht einbeziehen
Die IWW setzt darauf, dass Beschäftigte durch gemeinsame Organisation ihre Arbeitsbedingungen aktiv beeinflussen können.
Praxisbeispiel
Mehrere Beschäftigte eines Logistikunternehmens haben Probleme mit:
- kurzfristigen Dienstplanänderungen
- hohem Arbeitsdruck
- unbezahlten Mehrstunden
- fehlender Beteiligung bei Veränderungen
Die Beschäftigten beginnen, sich gemeinsam zu organisieren.
Dabei werden:
- Probleme gesammelt
- Erfahrungen ausgetauscht
- gemeinsame Ziele entwickelt
- Gespräche mit dem Arbeitgeber vorbereitet
- mögliche Lösungen gemeinsam erarbeitet
Der Schwerpunkt liegt darauf, dass Beschäftigte selbst aktiv werden und gemeinsam Einfluss auf ihre Arbeitsbedingungen nehmen.
Verhältnis zu anderen Vorschriften
|Vorschrift|Inhalt|
|---|---|
|Art. 9 Abs. 3 GG|Koalitionsfreiheit und Recht zur Bildung von Gewerkschaften|
|TVG|Grundlagen der Tarifautonomie und Tarifverträge|
|BetrVG|Mitbestimmung durch Betriebsräte|
|ArbSchG|Arbeits- und Gesundheitsschutz|
|KSchG|Kündigungsschutz im Arbeitsverhältnis|
Merksatz
Die IWW Deutschland – Industrial Workers of the World ist eine basisorientierte Gewerkschaftsorganisation, die auf Selbstorganisation, Solidarität und direkte Beteiligung von Beschäftigten setzt. Sie organisiert Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer unabhängig von Branche und Beruf und stellt eine internationale Alternative zu klassischen Gewerkschaftsstrukturen dar.
Bezug zu Knoten
- Gewerkschaft
- Basisgewerkschaft
- Syndikalismus
- Anarchosyndikalismus
- FAU
- Arbeiterbewegung
- Internationale Gewerkschaftsbewegung
- Gewerkschaftsgeschichte
- Arbeitskampf
- Tarifvertrag
- Tarifautonomie
- TVG
- Betriebsrat
- Betriebsverfassungsgesetz
- Mitbestimmung
- Solidarität
- Selbstorganisation
- Arbeitnehmerrechte
- Arbeitsrecht
Praxisrelevanz
Die IWW Deutschland zeigt eine besondere Form gewerkschaftlicher Organisierung innerhalb der Arbeitswelt.
Während große Gewerkschaften häufig über umfangreiche hauptamtliche Strukturen, Branchenzuständigkeiten und Tarifapparate verfügen, setzt die IWW stärker auf:
- direkte Beteiligung
- betriebliche Selbstorganisation
- internationale Zusammenarbeit
- aktive Mitgliederstrukturen
Ihre Bedeutung liegt insbesondere in Bereichen, in denen Beschäftigte bislang wenig organisiert sind oder alternative Formen der Interessenvertretung suchen.
Für die Arbeitswelt zeigt die IWW, dass Gewerkschaften unterschiedliche Organisationsformen besitzen können. Entscheidend bleibt das gemeinsame Ziel, Beschäftigte zu stärken und ihnen Möglichkeiten zur Mitgestaltung ihrer Arbeitsbedingungen zu geben.
Im Kontext von AELS ist die IWW ein wichtiges Beispiel für die internationale Vielfalt gewerkschaftlicher Modelle und ergänzt die Betrachtung von DGB-Gewerkschaften, Fachgewerkschaften und Berufsverbänden um eine basisorientierte Organisationsform.
