FAU Deutschland – Freie Arbeiter*innen Union
Kurzbeschreibung
Die FAU Deutschland – Freie Arbeiter*innen Union ist eine basisdemokratisch organisierte Gewerkschaft und Teil der internationalen syndikalistischen Gewerkschaftsbewegung.
Sie versteht sich als Basisgewerkschaft, bei der Beschäftigte ihre Interessen unmittelbar und selbstorganisiert vertreten sollen.
Die FAU unterscheidet sich von klassischen Gewerkschaften insbesondere durch:
- basisdemokratische Entscheidungsstrukturen
- geringe Hierarchien
- direkte Beteiligung der Mitglieder
- Orientierung an Selbstorganisation und Solidarität
- lokale und betriebliche Organisierung
Sie organisiert Beschäftigte unabhängig von Branche oder Berufsgruppe.
Gesetzliche Grundlagen
Wichtige Vorschriften:
- Art. 9 Abs. 3 GG
- Koalitionsfreiheit
- Recht zur Bildung von Gewerkschaften
- Schutz gewerkschaftlicher Betätigung
- TVG
- Tarifverträge und Tarifautonomie
- BetrVG
- Mitbestimmung durch Betriebsräte
- ArbSchG
- Arbeits- und Gesundheitsschutz
Ziele der FAU
Die FAU verfolgt insbesondere folgende Ziele:
- Verbesserung von Arbeitsbedingungen
- Stärkung der Selbstorganisation von Beschäftigten
- Förderung gegenseitiger Solidarität
- Durchsetzung von Arbeitnehmerrechten
- Unterstützung bei Konflikten am Arbeitsplatz
- Demokratisierung der Arbeitswelt
- direkte Beteiligung der Beschäftigten
- Bekämpfung von Ausbeutung und prekären Arbeitsbedingungen
Aufgaben der FAU
Zu den wichtigsten Aufgaben gehören:
- Beschäftigte organisieren
- Arbeitskonflikte unterstützen
- Beratung bei Problemen am Arbeitsplatz anbieten
- betriebliche Gruppen aufbauen
- Arbeitskämpfe begleiten
- Informationen zu Arbeitnehmerrechten vermitteln
- Solidaritätsaktionen organisieren
- gewerkschaftliche Bildung fördern
Bedeutung der FAU
Die FAU beantwortet insbesondere folgende Fragen:
Wie können Beschäftigte sich unabhängig und direkt organisieren?
Welche Möglichkeiten gibt es neben großen Gewerkschaftsstrukturen?
Wie können Arbeitnehmer Konflikte gemeinsam lösen?
Welche Rolle spielt direkte Beteiligung in der Gewerkschaftsarbeit?
Die FAU steht für eine Form gewerkschaftlicher Organisation, bei der die aktive Beteiligung der Beschäftigten im Mittelpunkt steht.
Grundprinzip
Beschäftigte
⬇️
Gemeinsame Interessen erkennen
⬇️
Selbst organisieren
⬇️
Gemeinsam handeln
⬇️
Arbeitsbedingungen verbessern
Organisation der FAU Deutschland
Die FAU Deutschland – Freie Arbeiter*innen Union ist als basisdemokratische Gewerkschaft organisiert.
Im Gegensatz zu klassischen Gewerkschaften setzt die FAU stark auf direkte Beteiligung der Mitglieder und möglichst wenig hierarchische Strukturen.
Die Organisationsstruktur umfasst insbesondere:
- lokale Syndikate
- Branchensyndikate
- Betriebsgruppen
- Ortsgruppen
- Föderationsstrukturen
- Delegiertenversammlungen
- Arbeitsgruppen
Die kleinste Organisationseinheit ist häufig das lokale oder betriebliche Syndikat. Dort organisieren sich Beschäftigte direkt zu ihren konkreten Arbeitsbedingungen.
Mitglieder der FAU
Die FAU organisiert Beschäftigte unabhängig von:
- Beruf
- Branche
- Herkunft
- Beschäftigungsform
Zu den möglichen Mitgliedern gehören beispielsweise:
- Beschäftigte in Gastronomie und Lieferdiensten
- Beschäftigte in Logistik und Produktion
- Beschäftigte in Bildung und Wissenschaft
- Beschäftigte im Dienstleistungsbereich
- prekär Beschäftigte
- freie Beschäftigte
- Auszubildende
- Erwerbslose
Ein besonderer Schwerpunkt liegt häufig auf Bereichen mit:
- niedriger gewerkschaftlicher Organisation
- unsicheren Arbeitsbedingungen
- befristeter Beschäftigung
- hoher Fluktuation
Gewerkschaftliches Konzept der FAU
Die FAU orientiert sich am Konzept des Syndikalismus beziehungsweise Anarchosyndikalismus.
Zentrale Elemente sind:
- Selbstorganisation der Beschäftigten
- direkte Demokratie
- direkte Aktionen
- gegenseitige Hilfe
- Solidarität zwischen Beschäftigten
- Ablehnung starker zentralistischer Strukturen
Beschäftigte sollen ihre Interessen möglichst selbst vertreten und nicht ausschließlich durch hauptamtliche Funktionäre.
Tarifpolitik
Die FAU kann sich an Arbeitskämpfen beteiligen und tarifpolitische Ziele verfolgen.
Schwerpunkte sind:
- bessere Löhne
- bessere Arbeitszeiten
- Schutz vor Willkür
- Verbesserung konkreter Arbeitsbedingungen
- Durchsetzung von Arbeitnehmerrechten
Aufgrund ihrer Organisationsform unterscheidet sich die Tarifarbeit teilweise von großen Gewerkschaften.
Besonderheiten:
- direkte Beteiligung der Mitglieder
- betriebliche Organisierung von unten
- lokale Konfliktbearbeitung
- kollektives Handeln
Grundlage bildet die durch das TVG geschützte Tarifautonomie.
Arbeitskampf und direkte Aktionen
Ein wichtiges Element der FAU ist die direkte Beteiligung der Beschäftigten.
Mögliche Formen sind:
- Gespräche mit Arbeitgebern
- öffentliche Aktionen
- Solidaritätsaktionen
- betriebliche Kampagnen
- Arbeitskampfmaßnahmen
Ziel ist, dass Beschäftigte selbst Einfluss auf ihre Arbeitsbedingungen nehmen.
Verhältnis zu klassischen Gewerkschaften
Die FAU unterscheidet sich strukturell von großen Gewerkschaften.
|Organisation|Schwerpunkt|
|-|-|
|FAU|Basisdemokratische Selbstorganisation und direkte Beteiligung|
|DGB-Gewerkschaften|Branchenbezogene Tarifpolitik, Rechtsschutz, große Organisationsstrukturen|
|Fachgewerkschaften|Vertretung bestimmter Berufsgruppen|
|Betriebsrat|Gesetzliche Mitbestimmung im Betrieb|
Die FAU versteht sich nicht als Konkurrenz zu Beschäftigten, sondern als alternative Form gewerkschaftlicher Organisierung.
Betriebsratsarbeit und Mitbestimmung
Die FAU unterstützt Beschäftigte bei:
- Aufbau betrieblicher Gruppen
- Durchsetzung von Arbeitnehmerrechten
- Konflikten mit Arbeitgebern
- Organisation gemeinsamer Interessen
Sie arbeitet jedoch anders als klassische Gewerkschaften häufig außerhalb etablierter Betriebsratsstrukturen.
Die gesetzlichen Mitbestimmungsrechte ergeben sich weiterhin aus dem BetrVG.
Leistungen für Mitglieder
Zu den Leistungen können gehören:
- Beratung bei Problemen am Arbeitsplatz
- Unterstützung bei Konflikten
- gewerkschaftliche Bildung
- Erfahrungsaustausch
- Unterstützung betrieblicher Organisierung
- Solidarität bei Arbeitskonflikten
- Informationen zu Arbeitnehmerrechten
Der Schwerpunkt liegt weniger auf klassischen Serviceleistungen, sondern auf gemeinsamer Selbstorganisation.
Bedeutung für Beschäftigte
Die FAU kann insbesondere für Beschäftigte relevant sein, die:
- direkte Beteiligung bevorzugen
- sich selbst organisieren möchten
- in wenig organisierten Branchen arbeiten
- alternative Gewerkschaftsmodelle suchen
- kollektive Lösungen statt individueller Konfliktlösung bevorzugen
Bedeutung für Betriebsräte
Für Betriebsräte kann die Auseinandersetzung mit der FAU interessant sein bei:
- Fragen gewerkschaftlicher Vielfalt
- Organisierung von Beschäftigten
- prekären Arbeitsbedingungen
- Beteiligung jüngerer Beschäftigtengruppen
- neuen Formen gewerkschaftlicher Arbeit
Die gesetzliche Rolle des Betriebsrats bleibt unabhängig von der jeweiligen Gewerkschaftszugehörigkeit bestehen.
Bedeutung für Ansprechpartner und Vertrauenspersonen
Die FAU arbeitet mit engagierten Mitgliedern, lokalen Ansprechpartnern und betrieblichen Gruppen, die Beschäftigte bei der Organisierung und Durchsetzung ihrer Interessen unterstützen.
Da die FAU auf Selbstorganisation setzt, übernehmen Mitglieder häufig direkt Verantwortung innerhalb ihrer jeweiligen Strukturen.
Sie übernehmen insbesondere folgende Aufgaben:
- Beschäftigte informieren
- Kolleginnen und Kollegen unterstützen
- Erfahrungen aus Betrieben austauschen
- betriebliche Gruppen aufbauen
- Beschäftigte bei Konflikten begleiten
- Wissen über Arbeitsrechte vermitteln
- gemeinsame Aktionen organisieren
- Solidarität zwischen Beschäftigten fördern
- Kontakte zwischen verschiedenen Arbeitsbereichen herstellen
Die Rolle der Aktiven unterscheidet sich von klassischen Gewerkschaftsfunktionären, da der Schwerpunkt auf direkter Beteiligung und gemeinsamer Entscheidungsfindung liegt.
Typische Fehler
- die FAU mit einer klassischen DGB-Gewerkschaft verwechseln
- die FAU als reine politische Organisation betrachten
- Syndikalismus mit fehlender Organisation gleichsetzen
- die FAU mit einem Betriebsrat verwechseln
- glauben, dass Gewerkschaftsarbeit nur über Tarifverträge funktioniert
- die Bedeutung kleiner betrieblicher Organisierung unterschätzen
Die FAU ist eine Gewerkschaft mit einer eigenen Organisationsform und gewerkschaftlichen Tradition.
Typische Fehler von Beschäftigten
- Probleme am Arbeitsplatz ausschließlich individuell lösen wollen
- eigene Handlungsmöglichkeiten unterschätzen
- Arbeitsrechte nicht kennen
- fehlende Organisation im Betrieb akzeptieren
- Konflikte aus Angst vor Nachteilen nicht gemeinsam angehen
- sich nicht mit Kolleginnen und Kollegen vernetzen
Die FAU setzt darauf, dass Beschäftigte durch gemeinsames Handeln ihre Arbeitsbedingungen verbessern können.
Praxisbeispiel
Mehrere Beschäftigte eines Gastronomiebetriebes haben Probleme mit:
- unbezahlten Überstunden
- kurzfristigen Dienstplanänderungen
- fehlenden Zuschlägen
- hohem Arbeitsdruck
Die Beschäftigten organisieren sich gemeinsam und wenden sich an eine FAU-Struktur.
Gemeinsam werden:
- die Probleme gesammelt
- rechtliche Ansprüche geprüft
- Gespräche mit dem Arbeitgeber vorbereitet
- gemeinsame Forderungen entwickelt
Der Schwerpunkt liegt darauf, dass die Beschäftigten selbst aktiv werden und ihre Interessen gemeinsam vertreten.
Verhältnis zu anderen Vorschriften
|Vorschrift|Inhalt|
|---|---|
|Art. 9 Abs. 3 GG|Koalitionsfreiheit und Recht zur Bildung von Gewerkschaften|
|TVG|Grundlagen der Tarifautonomie und Tarifverträge|
|BetrVG|Mitbestimmung durch Betriebsräte|
|ArbSchG|Arbeits- und Gesundheitsschutz|
|KSchG|Kündigungsschutz im Arbeitsverhältnis|
Merksatz
Die FAU Deutschland – Freie Arbeiter*innen Union ist eine basisdemokratisch organisierte Gewerkschaft, die auf Selbstorganisation, Solidarität und direkte Beteiligung von Beschäftigten setzt. Sie unterstützt Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer bei der gemeinsamen Durchsetzung ihrer Interessen und stellt eine alternative Form gewerkschaftlicher Organisation dar.
Bezug zu Knoten
- Gewerkschaft
- Basisgewerkschaft
- Syndikalismus
- Anarchosyndikalismus
- Arbeitnehmerbewegung
- Arbeitskampf
- Tarifvertrag
- Tarifautonomie
- TVG
- Betriebsrat
- Betriebsverfassungsgesetz
- Mitbestimmung
- Solidarität
- Selbstorganisation
- Arbeitnehmerrechte
- Arbeitsrecht
- DGB
- Fachgewerkschaft
- Gewerkschaftsgeschichte
Praxisrelevanz
Die FAU Deutschland zeigt eine besondere Form gewerkschaftlicher Organisation innerhalb der deutschen Arbeitswelt.
Während große Gewerkschaften häufig über umfangreiche hauptamtliche Strukturen, Branchenorganisationen und Tarifapparate verfügen, setzt die FAU stärker auf:
- direkte Beteiligung
- betriebliche Selbstorganisation
- lokale Strukturen
- aktive Mitgliederarbeit
Ihre Bedeutung liegt insbesondere dort, wo Beschäftigte bislang wenig organisiert sind oder neue Formen der Interessenvertretung suchen.
Für die Arbeitswelt zeigt die FAU, dass Gewerkschaftsarbeit unterschiedliche Organisationsformen annehmen kann. Entscheidend bleibt dabei das gemeinsame Ziel: Beschäftigte sollen ihre Arbeitsbedingungen mitgestalten und ihre Rechte durchsetzen können.
Im Kontext von AELS ist die FAU ein wichtiges Beispiel für die Vielfalt der Gewerkschaftslandschaft in Deutschland und ergänzt die Betrachtung von DGB-, Fach- und Berufsgewerkschaften um eine basisorientierte Organisationsform.
