Bundesrat
Kurzbeschreibung
Der Bundesrat ist das Verfassungsorgan der Bundesrepublik Deutschland, durch das die Bundesländer an der Gesetzgebung und Verwaltung des Bundes mitwirken.
Er ist keine zweite Parlamentskammer wie der Bundestag, sondern die Vertretung der Länder auf Bundesebene.
Grundgedanke:
Der Bundesrat stellt sicher, dass die Interessen der Bundesländer bei Entscheidungen des Bundes berücksichtigt werden.
Bedeutung des Bundesrats
Deutschland ist ein föderaler Staat.
Das bedeutet:
- Der Bund hat eigene Zuständigkeiten.
- Die Länder haben eigene Zuständigkeiten.
- Beide Ebenen arbeiten zusammen.
Der Bundesrat verbindet:
- Bundespolitik
- Landespolitik
- Verwaltungspraxis der Länder
Verfassungsgrundlage
Die Grundlage des Bundesrats findet sich im:
Besonders wichtig:
Artikel 50 GG
Die Länder wirken durch den Bundesrat bei der Gesetzgebung und Verwaltung des Bundes und in Angelegenheiten der Europäischen Union mit.
Zusammensetzung des Bundesrats
Der Bundesrat besteht aus Mitgliedern der Landesregierungen.
Jedes Bundesland entsendet Vertreter.
Wichtig:
Die Mitglieder sind nicht direkt vom Volk gewählt.
Sie werden von den Landesregierungen bestimmt.
Stimmenverteilung
Jedes Land hat mindestens drei Stimmen.
Je nach Einwohnerzahl gibt es:
- 3 Stimmen
- 4 Stimmen
- 5 Stimmen
- 6 Stimmen
Insgesamt verfügt der Bundesrat über:
69 Stimmen
Bundesländer im Bundesrat
Die Stimmen eines Landes müssen einheitlich abgegeben werden.
Beispiel:
Ein Bundesland kann nicht teilweise mit „Ja“ und teilweise mit „Nein“ stimmen.
Aufgaben des Bundesrats
1. Mitwirkung an der Gesetzgebung
Die wichtigste Aufgabe ist die Beteiligung an Bundesgesetzen.
Der Bundesrat kann:
- Gesetzesvorschläge einbringen
- Stellungnahmen abgeben
- Einspruch einlegen
- Zustimmung verweigern
Zustimmungsgesetze
Bei bestimmten Gesetzen muss der Bundesrat ausdrücklich zustimmen.
Ohne Zustimmung kann das Gesetz nicht in Kraft treten.
Betroffen sind häufig Bereiche wie:
- Finanzen der Länder
- Verwaltung der Länder
- Änderungen des Grundgesetzes
Einspruchsgesetze
Bei anderen Gesetzen kann der Bundesrat Einspruch einlegen.
Der Bundestag kann diesen Einspruch unter bestimmten Voraussetzungen zurückweisen.
Gesetzgebungsverfahren
Vereinfachter Ablauf:
Gesetzesinitiative
↓
Bundestag
↓
Bundesrat
↓
Bundespräsident
↓
Bundesgesetzblatt
↓
Inkrafttreten
2. Mitwirkung bei der Verwaltung
Viele Bundesgesetze werden durch die Länder ausgeführt.
Der Bundesrat wirkt deshalb auch bei Verwaltungsfragen mit.
Beispiele:
- Verwaltungsvorschriften
- Zuständigkeiten
- Organisation der Behörden
3. Beteiligung an EU-Angelegenheiten
Die Länder wirken über den Bundesrat auch bei europäischen Themen mit.
Beispiele:
- EU-Richtlinien
- EU-Verordnungen
- Auswirkungen auf Länderzuständigkeiten
Bundesrat und Föderalismus
Der Bundesrat ist ein zentrales Element des deutschen Föderalismus.
Ziele:
- Machtverteilung
- Schutz der Länderinteressen
- Ausgleich zwischen Bund und Ländern
Unterschied Bundestag und Bundesrat
|Bundestag|Bundesrat|
|-|-|
|Direkt vom Volk gewählt|Mitglieder der Landesregierungen|
|Beschließt Gesetze|Wirkt an Gesetzgebung mit|
|Vertritt Bürgerinteressen|Vertritt Länderinteressen|
|Sitzt in Berlin|Sitzt in Berlin|
Unterschied Bundesrat und Bundesregierung
|Bundesrat|Bundesregierung|
|-|-|
|Vertretung der Länder|Leitet die Bundespolitik|
|Kontrolliert und beteiligt sich|Erarbeitet politische Vorhaben|
|Besteht aus Ländervertretern|Besteht aus Bundeskanzler und Ministern|
Bundesrat und Arbeitsrecht
Viele arbeitsrechtliche Regelungen entstehen durch Bundesgesetze.
Beispiele:
- Arbeitszeitrecht
- Arbeitsschutzrecht
- Sozialrecht
Der Bundesrat kann dabei beteiligt sein.
Beispiele:
- Änderungen des ArbSchG
- Änderungen sozialrechtlicher Vorschriften
- Verordnungen mit Länderbezug
Siehe:
Bundesrat und Arbeitsschutz
Im Arbeitsschutz spielt der Bundesrat eine Rolle, weil:
- viele Behörden durch Länder organisiert sind
- bestimmte Verordnungen der Zustimmung bedürfen
Beispiele:
- Arbeitsschutzverordnungen
- Verwaltungsvorschriften
Siehe:
Bedeutung für Beschäftigte
Beschäftigte sind indirekt betroffen, weil der Bundesrat an Gesetzen beteiligt ist, die regeln:
- Arbeitsbedingungen
- Sozialversicherung
- Gesundheitsschutz
- Arbeitnehmerrechte
Bedeutung für Betriebsräte
Für Betriebsräte ist der Bundesrat vor allem wichtig, um politische Entwicklungen zu verstehen.
Beispiele:
- Änderungen des BetrVG
- neue Arbeitsschutzregelungen
- Änderungen im Sozialrecht
Rolle im Gesetzgebungsverfahren
Der Bundesrat ist ein wichtiger Teil der:
Denn er wirkt an der Entstehung von Bundesgesetzen mit.
Typische Fehler
- Bundesrat als „zweiten Bundestag“ bezeichnen
- glauben, Mitglieder werden direkt gewählt
- seine Rolle bei Gesetzen unterschätzen
- Bundesrat und Bundesregierung verwechseln
Praxisbeispiel
Ein neues Arbeitsschutzgesetz soll beschlossen werden.
Ablauf:
1. Bundestag berät den Entwurf
2. Bundesrat prüft die Auswirkungen auf Länder und Verwaltung
3. Bei Zustimmungsgesetz muss er zustimmen
4. Nach Abschluss erfolgt Verkündung im Bundesgesetzblatt
Verhältnis zu anderen Themen
|Thema|Zusammenhang|
|-|-|
|Bundestag|Gemeinsamer Teil der Gesetzgebung|
|Gesetzgebung|Beteiligung an Bundesgesetzen|
|Grundgesetz|Verfassungsgrundlage|
|Bundesländer|Vertretung der Länder|
|Bundesregierung|Andere Staatsfunktion|
|Bundesgesetzblatt|Veröffentlichung beschlossener Gesetze|
|Gesetz|Entstehung von Rechtsnormen|
|Normenhierarchie|Einordnung von Rechtsquellen|
|Rechtsstaat|Teil staatlicher Ordnung|
Merksatz
Der Bundesrat ist die Vertretung der Bundesländer und wirkt an der Gesetzgebung, Verwaltung und Europapolitik des Bundes mit.
Bezug zu Knoten
- Bundestag
- Bundesregierung
- Bundespräsident
- Grundgesetz
- Gesetzgebung
- Gesetz
- Bundesgesetzblatt
- Föderalismus
- Normenhierarchie
- Rechtsstaat
Praxisrelevanz
Der Bundesrat ist ein zentraler Bestandteil des deutschen politischen Systems.
Für AELS besonders relevant:
- Verständnis der Entstehung von Gesetzen
- Einordnung arbeitsrechtlicher Änderungen
- Nachvollziehen politischer Entscheidungen
- Verbindung zwischen Bund und Ländern
Im Kontext von AELS verbindet der Bundesrat Gesetzgebung, Föderalismus, Rechtsordnung und die Entstehung arbeitsrechtlicher Regelungen.
